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«Wir sind mehr als ein Magazin – wir sind eine Business Sisterhood»

  • Autorenbild: Marcel Baumgartner
    Marcel Baumgartner
  • 31. Jan. 2025
  • 5 Min. Lesezeit
Seit 2007 prägt Sandra-Stella Triebl mit «Ladies Drive» die Schweizer Wirtschaftswelt aus weiblicher Perspektive. Was als Magazin begann, ist heute eine umfassende Plattform für Businessfrauen – mit Netzwerken, Events und Bildungsprogrammen. Im Interview spricht die Unternehmerin über authentisches Networking, die Herausforderungen der Medienwelt und die Notwendigkeit eines neuen Wirtschaftsethos.

Sandra-Stella Triebl hat mit «Ladies Drive» eine Plattform geschaffen, die weit über ein klassisches Wirtschaftsmagazin hinausgeht.
Sandra-Stella Triebl hat mit «Ladies Drive» eine Plattform geschaffen, die weit über ein klassisches Wirtschaftsmagazin hinausgeht.

Sandra Stella Triebl, Sie haben 2007 das Wirtschaftsmagazin «Ladies Drive» gegründet. Was war Ihre Hauptmotivation für dieses Projekt?

Zum einen fehlte die weibliche Sicht auf Wirtschaft, Politik – auf das Leben und die Schnittstelle zwischen Job und Familie. Zum anderen berichten Frauen und Männer als Medienmacherinnen und -macher gemäss Studien auf unterschiedliche Art und Weise: Journalistinnen erzählen in Geschichten über eine Situation, während Journalisten tendenziell eher Facts & Figures präsentieren. Auch aus dieser Warte fehlte so etwas wie «Ladies Drive». Wobei wir «nicht nur» ein Wirtschaftsmagazin sind – wir sind eine Community, eine Business Sisterhood. Wir haben seit 2007 eine ganze Ladies-Drive-Welt aufgebaut – von Business Clubs über eine Academy bis hin zu diversen Eventserien, YouTube-Formaten und Podcasts. Das gemeinsame Wachsen, das Vernetzen sowie das Teilen von Wissen und Kontakten stehen also im Vordergrund.


Als eine der bestvernetzten Frauen der Schweiz werden Sie oft als «Queen of Networking» bezeichnet. Welche Schlüsselstrategien haben Sie beim Aufbau Ihres Netzwerks angewendet?

Ich wusste lange gar nicht, dass ich eine tolle Netzwerkerin bin – das Wort sagte mir nichts. Ich dachte immer, ich sei halt eben etwas «anhänglich». Und irgendwann sagte jemand, ich sei eine Netzwerkerin. Für mich ist dieser Terminus zu technisch und inhaltsleer. Networking ist ja im Grunde nichts anderes als der Aufbau von nachhaltigen, tragfähigen und wahrhaften Beziehungen. Für mich – und da spreche ich nun mit dem Hut einer Nebenfachbiologin – ist Netzwerkaufbau wie ein Permakultur-Garten. Man hegt und pflegt ihn und sieht, wie alles auf fast schon magische Art und Weise miteinander vernetzt und verbunden ist. Die Natur kann uns da sehr viel über den systemischen Aufbau unserer Welt, auch der Wirtschaftswelt, erzählen.


Sie sind Gründerin und CEO der Swiss Ladies Drive GmbH. Wie hat sich das Unternehmen seit seiner Gründung entwickelt, und welche zukünftigen Pläne haben Sie?

Es wuchs konsequent und kompromisslos organisch. Wir haben immer ausschliesslich mit eigenem Geld gearbeitet – und das war sehr, sagen wir mal «heilsam», weil man ein Unternehmen anders aufbaut, wenn man eigenes Geld ausgibt, als wenn man Investments anderer verwaltet. Wir haben also unser Unternehmen auf Profitabilität getrimmt – nicht wie heute bei Start-ups üblich auf Wachstum. Nach dem ersten Jahr waren wir in den schwarzen Zahlen und haben konsequent den Gewinn reinvestiert. Das Unternehmen ist eine kleine Perle. Und wir wachsen noch immer organisch, hören auf die Community und ihre Bedürfnisse und richten unsere Produkte konsequent danach aus. Das werden wir auch in Zukunft tun.


Unternehmerin, Netzwerkerin, Visionärin: Triebl setzt auf authentische Beziehungen und nachhaltiges Wachstum.
Unternehmerin, Netzwerkerin, Visionärin: Triebl setzt auf authentische Beziehungen und nachhaltiges Wachstum.

Mit der League of Leading Ladies haben Sie eine Plattform für führende Frauen geschaffen. Was war die Vision hinter dieser Initiative, und wie hat sie sich seit ihrer Gründung entwickelt?

Auch dieser Business-Club entstand aus einem Bedürfnis unserer Community heraus. Es gab Ladies Drive schon ein paar Jahre, und ich hatte eben ein Interview mit Camilla Fischbacher gemacht, als sie mich fragte, ob ich nicht einmal ein paar dieser tollen Frauen, die bei uns im Heft porträtiert werden, zusammenbringen würde. Und das habe ich getan. Daraus ist schlussendlich ein «by invitation only»-Business-Club geworden – und eine gleichnamige Konferenz, die öffentlich zugänglich ist und in englischer Sprache durchgeführt wird. An der Konferenz können maximal 200 Gäste teilnehmen. Uns ist es wichtig, inspirierende Menschen in einem familiären Umfeld zusammenzubringen. Das stellen wir über alles andere.


Sie haben in Zürich Journalismus, Biologie und Politikwissenschaft studiert. Wie beeinflusst diese vielfältige akademische Ausbildung Ihre Arbeit als Medienunternehmerin?

Ich kenne den Journalismus seit meinem 15. Lebensjahr, weil ich schon ganz jung fürs Radio und später fürs Schweizer Fernsehen arbeiten durfte. Aber wirklich geprägt hat mich das Biologiestudium. Ich durfte lernen, wie auf vielfältige Art und Weise Dinge zusammenhängen. Das sehen wir in der Wirtschaft auch – mit Lieferketten zum Beispiel. Zudem hat uns die Pandemie auf tragische Art und Weise gezeigt, dass wir alle dieselbe Luft atmen und alles irgendwie miteinander zusammenhängt.


Welche Herausforderungen haben Sie beim Aufbau eines frauenspezifischen Wirtschaftsmagazins erlebt, und wie haben Sie diese überwunden?

Ach, ich war und bin so verliebt in diese Idee von Ladies Drive, dass ich viele Herausforderungen gar nicht als solche betrachte. Da wir nicht aus Unternehmerfamilien stammen, mussten wir uns unser Netzwerk selbst aufbauen und gelegentlich um Rat fragen. Wir haben viele «Fehler» gemacht – unternehmerisch, aber auch entsprechend viel gelernt. Und intelligent soll man ja dann sein, wenn man immer neue Fehler macht. Auch das schaffen wir (lacht). Wir lieben, was wir tun, und tun, was wir lieben. So kann man Rückschlägen oder Herausforderungen gelassener begegnen, die man als Unternehmerin oder Unternehmer ohnehin hat.


Mit Formaten wie der League of Leading Ladies bringt sie einflussreiche Frauen aus Wirtschaft und Gesellschaft zusammen.
Mit Formaten wie der League of Leading Ladies bringt sie einflussreiche Frauen aus Wirtschaft und Gesellschaft zusammen.

Sie betonen die Bedeutung authentischer Beziehungen im Networking. Wie fördern Sie Authentizität in Ihren beruflichen Netzwerken?

Mein Motto ist hier: «Let’s agree to disagree». Wir einigen uns darauf, dass wir uns in unserer Verschiedenartigkeit begegnen und akzeptieren, dass wir nicht alle gleich sind. Ich habe privat ein extrem diverses Netzwerk und höre mir ganz bewusst immer Nachrichten aus unterschiedlichsten Quellen an. Es ist eine anstrengende Übung, Menschen und Meinungen unvoreingenommen zu begegnen, da wir alle gewisse Vorurteile mit uns herumtragen, ob wir wollen oder nicht. Auch wir Frauen sind nicht alle gleich. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen. Was uns vereint, ist der Wille, Wissen miteinander zu teilen und sich gegenseitig tatkräftig zu unterstützen. Wir schaffen eine vertraute Atmosphäre der Offenheit, einen «sicheren Ort», an dem man sich so begegnen kann, wie man ist.


Als Verlegerin und Podcasterin sind Sie in verschiedenen Medien aktiv. Wie sehen Sie die Rolle der digitalen Medien in der heutigen Geschäftswelt, insbesondere für Frauen?

Welche Medienbranche? Mittlerweile ist diese Industrie extrem fragmentiert. Man braucht keine klassische Karriere als Journalistin mehr, weil man auf YouTube oder Instagram seinen eigenen Kanal aufbauen kann – mit einer Reichweite, die teilweise grösser ist als die Zuschauerzahlen des Schweizer Fernsehens. Dennoch halte ich es für wichtig, einen ethisch-moralischen Kompass zu haben. Ich habe gelernt, dass man immer eine Stimme pro und eine contra zitieren soll und seine Quellen sauber deklarieren muss. Das ist essenziell. Es geht nicht darum, Menschen in eine Richtung zu manipulieren – auch wenn genau das oft passiert. Ich sage immer, dass ich Teil der Kindness Economy sein möchte. Der Mensch steht im Zentrum – man darf Profit machen, aber nicht auf Kosten anderer. Wir brauchen ein Umdenken in der Wirtschaft. Wir brauchen neue Wege des Wirtschaftens, denn das bisherige Modell hat für wenige viel gebracht und für viele Ressourcen ausgeblutet. Wir sollten besser aufeinander achten.

 



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