Musikkomiker Riklin & Schaub: «Wir verführen zum Nachdenken»
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Mit ihrem neuen Programm «Lieder, die ins Auge gehen» schlagen Roman Riklin und Daniel Schaub ein weiteres Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte auf. Die beiden Komiker verbinden Musik, Humor und Film zu einer Bühnenform, die es so bislang kaum gab. Im Gespräch erzählen sie, weshalb ein Kabelsalat zum Song taugt, warum sie das Publikum lieber zum Nachdenken verführen als belehren – und weshalb der grösste Druck nicht von Preisen, sondern von ihnen selbst kommt.

Wer Riklin & Schaub erlebt, merkt schnell: Hier stehen nicht einfach zwei Musiker auf der Bühne. Roman Riklin und Daniel Schaub erzählen Geschichten, die gleichzeitig gehört und gesehen werden wollen. Sie nennen ihre Werke «Visual Songs» – Lieder, bei denen Musik, Text und Bild gleichwertig zusammenspielen. Damit haben sie ein eigenes Genre geschaffen, das sie in ihrem neuen Programm «Lieder, die ins Auge gehen» konsequent weiterentwickeln.
Bekannt wurden die beiden zunächst als Mitglieder des Kult-Trios Heinz de Specht, das während mehr als einem Jahrzehnt die Schweizer Kleinkunstszene prägte. Seit 2020 treten sie als Duo auf – und das mit wachsendem Erfolg. Bereits ihr erstes Programm überzeugte Publikum und Kritik. Mit «Lieder, die du sehen musst» gelang ihnen endgültig der Durchbruch, gekrönt mit dem Swiss Comedy Award 2024 in der Kategorie Ensemble.
Wenn Musik und Bilder gleichzeitig erzählen
Ein Lied entsteht bei Riklin & Schaub längst nicht mehr nur mit Text und Melodie. Die visuelle Ebene wird von Anfang an mitgedacht.
«Wir gehen beim Songwriting meist vom Text aus und suchen dann die passende Musik dazu», erklärt Daniel Schaub. «Seit wir aber auch die Bildebene integrieren, wird der ganze Prozess um ein Vielfaches komplizierter. Text, Bild und Musik stehen permanent in Wechselwirkung.»
Mal entstehen zuerst Filmideen, mal ein Drehbuch, manchmal liefert ein einzelnes Bild den Ausgangspunkt für einen ganzen Song. Dadurch werden die Videos nicht zur dekorativen Hintergrundprojektion, sondern zu einem unverzichtbaren Teil der Geschichte.
Unterhaltung mit Haltung
Ob Smartphone-Sucht, Gruppenchats, Weihnachtsgeschenke, Selfies oder der legendäre Kabelsalat – Riklin & Schaub schöpfen ihre Inspiration aus den kleinen Absurditäten des Alltags. Genau dort liege die grösste Komik, sagt Roman Riklin.
«Je banaler ein Thema scheint, desto grösser ist oft das gemeinsame Wiedererkennen. Das schönste Lachen ist, wenn wir über uns selbst lachen können.»
Dabei geht es den beiden nie bloss um Pointen. Ihre Programme sind humorvoll, gleichzeitig aber oft überraschend nachdenklich. Gesellschaftliche Themen fliessen selbstverständlich ein, ohne erhobenen Zeigefinger.
«Wir versuchen, das Publikum mit unseren Songs zum Nachdenken zu verführen, ohne zu moralisieren», sagt Riklin. «Der Humor dient dabei als Köder, der unsere Inhalte zugänglich macht.»
Diese Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang ist längst zum Markenzeichen des Duos geworden. Sie selbst sprechen deshalb von «Unterhaltung mit Haltung».

Erfolg erhöht die Messlatte
Der Gewinn des Swiss Comedy Awards hat ihre Bekanntheit weiter gesteigert. Zusätzlichen Druck verspüren sie deswegen allerdings kaum.
«Der Druck kommt weniger von solchen Ehrungen als vielmehr von uns selber», sagt Daniel Schaub mit einem Lachen. «Wir wissen ja, was uns schon gelungen ist. Das macht es nicht einfacher, eine neue Show zu entwickeln.»
Dass ihnen dennoch immer wieder neue Ideen einfallen, liegt wohl auch daran, dass sie sich bewusst nicht einschränken. Ob Bananen, Salmonellen auf den Seychellen oder Männer in Anzügen – grundsätzlich sei keine Idee zu verrückt für die Bühne.
Mehr als ein Comedy-Duo
Parallel zu ihren Duo-Programmen sind Riklin und Schaub die kreativen Köpfe hinter dem preisgekrönten Secondhand Orchestra. Mit aufwendig produzierten Mundart-Hommagen an die Beatles, Freddie Mercury oder zuletzt ABBA haben sie schweizweit grosse Erfolge gefeiert. Der Wechsel zwischen grossen Theaterproduktionen und der intimeren Kleinkunstbühne sei für sie kein Widerspruch, sondern gegenseitige Inspiration.
Auch im digitalen Zeitalter bleiben sie ihrem Stil treu. Zwar landeten sie mit Songs wie «Emoji» oder «Kuckuck» virale Hits, geschrieben werden ihre Lieder aber weiterhin für den Live-Moment.
«Wir entwickeln unsere Songs konsequent für die Bühne – dort, wo niemand wegzappen kann», sagt Roman Riklin schmunzelnd.
Mit Tiefenschärfe auf Tour
Ab Ende Oktober gehen Riklin & Schaub mit «Lieder, die ins Auge gehen» auf Schweizer Tournee. Die neue Konzertshow verbindet Musik, Film, Wortwitz und feine Gesellschaftsbeobachtung zu einem multimedialen Gesamtkunstwerk. Statt lauter Gags setzen die beiden auf intelligente Unterhaltung, musikalische Präzision und überraschende Perspektiven auf den Alltag.
Vielleicht ist genau das ihr Erfolgsgeheimnis: Sie schaffen es, aus scheinbar belanglosen Situationen kleine Bühnenkunstwerke zu machen – und beweisen, dass manchmal schon ein Kabelsalat genügt, um eine ganze Geschichte zu erzählen.


