Wanderwege-Geschäftsführer Viktor Styger: «Wir brauchen bessere statt mehr Wege»
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Rund 4'400 Kilometer Wanderwege durchziehen den Kanton St.Gallen. Damit dieses Netz sicher und attraktiv bleibt, leisten rund 150 Freiwillige jedes Jahr Tausende Arbeitsstunden. Geschäftsführer und Technischer Leiter Viktor Styger erklärt, weshalb Qualität wichtiger ist als Quantität und welche Herausforderungen die St.Galler Wanderwege beschäftigen.

Wer im Kanton St.Gallen wandert, verlässt sich meist ganz selbstverständlich auf die gelben Wegweiser und die weiss-rot-weissen Markierungen entlang der Wege. Dass dahinter eine enorme Menge an Arbeit steckt, bleibt den meisten verborgen. Die St.Galler Wanderwege betreuen ein rund 4'400 Kilometer langes Wanderwegnetz. Rund 150 Freiwillige sorgen mit jährlich etwa 6'000 Arbeitsstunden dafür, dass Signalisationen ersetzt, Markierungen erneuert und Wanderwege kontrolliert werden. Hinzu kommen die umfangreiche Planungsarbeit sowie die Koordination durch die Geschäftsstelle.
Für Geschäftsführer und Technischen Leiter Viktor Styger besteht die grösste Herausforderung darin, den Unterhalt konsequent und kontinuierlich zu erledigen. «Wichtig ist, immer dranzubleiben, laufend Wegweiser zu ersetzen und die Zwischenmarkierungen im Schuss zu halten. Sonst staut sich die Arbeit auf und das führt plötzlich zu einem sehr grossen Aufwand, der nicht mehr in einer Saison aufgeholt werden kann», sagt er.
Qualität statt immer neuer Wege
Starkregen oder Murgänge können einzelne Wanderwege beschädigen oder unpassierbar machen. Müssen Wege verlegt oder aufgehoben werden, hat das unmittelbare Folgen für Signalisation, Routenführung und Wanderzeiten. Solche Ereignisse seien zwar meist punktuell, gehörten aber schon immer zur Arbeit der Verantwortlichen.
Trotz des anhaltenden Wanderbooms sieht Styger den Schwerpunkt nicht im Bau neuer Wege. Viel wichtiger sei die Verbesserung bestehender Routen. «Wichtiger als neue Wege sind bessere Wege – weg vom Belag und hin zu Naturwegen oder Kiesstrassen. Wir möchten vor allem die Qualität fördern und nicht unbedingt die Quantität.» Dafür brauche es allerdings die Unterstützung der Gemeinden, welche die Wanderwege in ihren Teilstrassenplänen festlegen.

Der Wanderboom bringt neue Herausforderungen
Dass immer mehr Menschen wandern, freut die Verantwortlichen grundsätzlich. Gleichzeitig beobachtet Styger, dass viele Wandernde heute schlechter vorbereitet unterwegs sind. «Immer mehr Leute wandern – das finden wir natürlich toll. Leider hat es dadurch auch immer mehr Leute auf den Wegen, die unerfahren sind. Sie verstehen die Signalisation nicht, sind nicht richtig ausgerüstet und melden sich dann mit Anliegen und Fragen, die es früher nie gegeben hätte.» Mit einem Schmunzeln ergänzt er: «Vor 20 Jahren hat beispielsweise nie jemand reklamiert, dass die Wanderschuhe dreckig geworden sind.»
Auch im Zeitalter von GPS und Wander-Apps bleiben die klassischen Wegweiser für ihn unverzichtbar. «Die Wegweiser verlieren ihre Bedeutung überhaupt nicht – und noch weniger die Zwischenmarkierungen. Wer will schon bei jeder Wegverzweigung auf sein Handy schauen, um den richtigen Weg zu finden?»
Natur schützen und Konflikte lösen
Der Schutz von Natur und Wildtieren spielt bei der Planung neuer Wanderwege eine zentrale Rolle. Sensible Lebensräume würden wenn möglich umgangen oder nur an geeigneten Stellen gequert.
Die oft diskutierten Konflikte zwischen Wandernden, Velofahrenden und Landwirten relativiert Styger. Auf dem gesamten Wanderwegnetz gebe es nur wenige problematische Stellen. Entscheidend sei, die betroffenen Orte genau zu analysieren und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. «Mit gegenseitigem gutem Willen ist das möglich – aber man muss miteinander reden.»
Freiwillige bleiben unverzichtbar
Dass die Arbeit der St.Galler Wanderwege überhaupt möglich ist, verdankt der Verein seinen zahlreichen Freiwilligen. Für die Arbeiten draussen im Gelände finde man erfreulicherweise weiterhin genügend engagierte Menschen. Schwieriger werde es hingegen bei administrativen Aufgaben und der Büroarbeit. Dennoch gelinge es bisher immer wieder, motivierte Personen zu gewinnen.
Als besonders unterschätzte Wanderregion nennt Styger das Werdenberg. Die Region biete aussichtsreiche Gipfel, Panoramawege, Bergseen und gemütliche Alpbeizli – ohne von grossen Besuchermassen überlaufen zu sein.
Für die Zukunft wünscht er sich vor allem eines: weniger asphaltierte Strecken und dafür hervorragend gepflegte Naturwege. Denn nicht die Anzahl der Wege mache einen attraktiven Wanderkanton aus, sondern deren Qualität.


