Sommer auf dem Bodensee: Warum die Seepolizei häufig gefordert ist
- Marcel Baumgartner
- 2. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Ob Sturm, Badeunfall oder manövrierunfähiges Boot – die Seepolizei der Kantonspolizei Thurgau ist unter anderem auf Bodensee, Untersee und Rhein rund um die Uhr gefordert. Ihre Aufgaben reichen weit über Rettungseinsätze hinaus. Im Sommer steigt die Zahl der Einsätze, gleichzeitig nimmt auch der Leichtsinn auf dem Wasser zu.

Wenn sich im Sommer Tausende Menschen auf dem Bodensee und dem Rhein tummeln, sorgen sie im Hintergrund für Sicherheit: die Mitarbeitenden der Seepolizei der Kantonspolizei Thurgau. Ihr Einsatzgebiet erstreckt sich entlang des Bodensees, des Untersees und des (See-)Rheins von Horn bis nach Diessenhofen. Doch ihr Alltag besteht längst nicht nur aus spektakulären Rettungsaktionen. «Die Arbeit als Seepolizist ist sehr vielfältig. Jeder Tag bringt etwas Neues – auch, weil unsere Einsätze stark vom Wetter abhängig sind», erklärt der Dienstchef der Seepolizei Marcel Kuhn.
Hilfe in Notlagen – und weit mehr
Zu den klassischen Aufgaben gehören Rettungseinsätze bei Unfällen oder plötzlich aufziehenden Stürmen. Ebenso häufig wird die Seepolizei jedoch für Unterstützungsleistungen gerufen: Boote laufen auf Grund, Skippern geht der Treibstoff aus oder ein Tau verfängt sich im Schiffsantrieb. Auch bei medizinischen Notfällen auf dem Wasser ist die Seepolizei regelmässig im Einsatz. Daneben überwachen die Spezialisten den Schiffsverkehr, kontrollieren Hafenanlagen und Uferbauten und betreuen den kantonalen Ölwehrstützpunkt. Zur Seepolizei gehören zudem ausgebildete Polizeitaucher sowie die kantonale Schifffahrtskontrolle.
Das Wasser stellt besondere Anforderungen
Die Polizeiarbeit auf dem Wasser unterscheidet sich grundlegend von jener an Land. Eine der grössten Herausforderungen ist das Wetter. Wind und Wellen können sich innert kürzester Zeit verändern und für Wassersportler lebensgefährlich werden. Hinzu kommt die dritte Dimension des Einsatzgebiets. «Wenn nach einem Badeunfall eine Person vermisst wird, suchen wir nicht nur auf der Wasseroberfläche, sondern auch in der Tiefe», erklärt Kuhn. Trotz der anspruchsvollen Bedingungen schätzen viele Mitarbeitende ihre Tätigkeit. Auf dem Wasser seien die Menschen oftmals entspannter, das Verständnis grösser und die Dankbarkeit für geleistete Hilfe besonders spürbar.
«Schwimmwesten können Leben retten. Wer sich über Wetter, Strömungen und die örtlichen Gegebenheiten informiert, trägt wesentlich zur Sicherheit auf dem Wasser bei.»
Internationale Zusammenarbeit ist unverzichtbar
Da der Bodensee von mehreren Ländern genutzt wird, arbeitet die Thurgauer Seepolizei eng mit den Polizeikorps und Wasserpolizeien in Deutschland und Österreich zusammen. Gerade bei grenzüberschreitenden Einsätzen sei der regelmässige Austausch von grosser Bedeutung. Im Ernstfall könne eine funktionierende Zusammenarbeit entscheidend sein.
Prävention statt Intervention
Ein wichtiger Teil der Arbeit besteht darin, Unfälle möglichst zu verhindern. Während ihrer Patrouillen kontrollieren die Einsatzkräfte beispielsweise, ob Stand-up-Paddle-Boards korrekt angeschrieben sind oder Bootsführer auf dem Rhein genügend Rettungswesten mitführen. Zusätzlich setzt die Seepolizei auf Präventionsarbeit in den sozialen Medien und anderen Kanälen. Gemeinsam mit der Wasserpolizei Schaffhausen und der Wasserschutzpolizei Baden-Württemberg betreibt sie zudem die mehrjährige Präventionskampagne «ufm rhy», die insbesondere auf die Gefahren des Hochrheins aufmerksam macht.
Abenteuerlust nimmt zu
Einen klaren Trend bei den Unfallzahlen will die Seepolizei aufgrund der vergleichsweise kleinen Fallzahlen zwar nicht erkennen. Beobachtet wird jedoch, dass immer mehr Menschen neue Freizeitangebote auf dem Wasser ausprobieren. Ob Stand-up-Paddling, E-Foil oder andere Trendsportarten – viele wagen sich ohne ausreichende Sach- oder Ortskenntnisse auf den See oder den Rhein. Dabei werde häufig darauf vertraut, dass im Notfall die Seepolizei rasch Hilfe leisten könne. Grundsätzlich gelten für moderne Wassersportgeräte dieselben gesetzlichen Vorschriften wie für andere Wasserfahrzeuge. Verstösse werden im Rahmen der Patrouillentätigkeit kontrolliert und geahndet.

Modern ausgerüstet für jede Situation
Damit die Einsatzkräfte auch bei Nacht, Nebel oder starkem Wellengang schnell reagieren können, verfügt die Seepolizei über speziell ausgerüstete Polizeischiffe für unterschiedliche Aufgaben. Zur Ausstattung gehören unter anderem moderne Navigations- und Kommunikationstechnik, umfangreiches Bergungsmaterial sowie medizinische Ausrüstung wie Sauerstoffbeatmungsgeräte. Ebenso wichtig ist die Ausbildung. Die Seepolizistinnen und Seepolizisten werden regelmässig auf verschiedenste Einsatzszenarien vorbereitet.
Zwischen tragischen Einsätzen und besonderen Geschichten
Nicht jeder Einsatz bleibt wegen seiner Dramatik in Erinnerung. Die Seepolizei erlebt immer wieder Momente, in denen gerettete Menschen ihre Dankbarkeit zeigen. Gleichzeitig gehören auch tragische Badeunfälle zum Berufsalltag. Daneben gibt es immer wieder aussergewöhnliche Ereignisse – etwa die spektakuläre Suche nach der verschwundenen und später wieder gefundenen Gin-Kugel im Bodensee, die schweizweit für Schlagzeilen sorgte.
Appell an alle Seenutzer
Mit Blick auf die Sommermonate richtet die Seepolizei einen klaren Appell an alle, die sich auf oder im Wasser aufhalten: Wer sich über Wetter, Strömungen und lokale Gefahren informiert, die gesetzlichen Vorschriften einhält und Rücksicht auf andere Menschen sowie die Natur nimmt, trägt wesentlich zu einem sicheren Miteinander auf den Gewässern bei. «Schwimmwesten können Leben retten und ein korrekt angeschriebenes SUP erleichtert uns im Ernstfall die Arbeit», betont Marcel Kuhn. «Wenn sich alle verantwortungsvoll verhalten, hat es auf unseren Gewässern genügend Platz für alle.»


