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Hotels werden teurer, die Reiselust bleibt: Ferienbranche blickt auf starken Sommer

Autorenbild: Marcel Baumgartner
Marcel Baumgartner
2. Juli
3 Min. Lesezeit

Steigende Flugpreise, internationale Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheiten sorgen regelmässig für Schlagzeilen. Doch die Reiselust der Ostschweizerinnen und Ostschweizer bleibt ungebrochen. Reiseexperten beobachten zwar Veränderungen bei den Buchungsgewohnheiten und den bevorzugten Destinationen, von einer allgemeinen Reiseflaute kann jedoch keine Rede sein.


Janine Zimmerli, Communication Manager bei DERTOUR Suisse, beobachtet bei Schweizer Reisenden eine anhaltend hohe Nachfrage nach sicheren und gut erreichbaren Ferienzielen.
Janine Zimmerli, Communication Manager bei DERTOUR Suisse, beobachtet bei Schweizer Reisenden eine anhaltend hohe Nachfrage nach sicheren und gut erreichbaren Ferienzielen.

Wer in diesen Tagen seine Sommerferien plant, hört oft von teuren Flügen und steigenden Reisekosten. Die Realität ist jedoch differenzierter. Sowohl Reisebüros als auch grosse Reiseveranstalter stellen fest, dass sich die Preise je nach Destination sehr unterschiedlich entwickeln.

«Eine allgemeine Preissteigerung bei Flugtickets gibt es nicht», sagt Jörg Waldvogel, Geschäftsführer von Chrisway Travel in St.Gallen. Während Flüge innerhalb Europas und Direktverbindungen nach Asien teilweise etwas teurer geworden seien, seien Reisen nach Nordamerika derzeit so günstig wie selten zuvor. Selbst in den Sommerferien seien Flugtickets in die USA oder nach Kanada teilweise für weniger als 1000 Franken erhältlich.

Zu ähnlichen Erkenntnissen kommt auch DERTOUR Suisse. Laut Communication Manager Janine Zimmerli sind die durchschnittlichen Flugpreise im Jahr 2026 gegenüber dem Vorjahr sogar gesunken. Dies sei unter anderem auf günstigere Verbindungen über Drehkreuze im Nahen Osten zurückzuführen. Allerdings würden viele Reisende aufgrund der geopolitischen Lage auf andere Airlines ausweichen, was wiederum Direktflüge verteuern könne.


Hotels werden zum Kostentreiber

Wenn Reisende derzeit tiefer in die Tasche greifen müssen, dann oft wegen der Unterkünfte. Sowohl Waldvogel als auch Zimmerli sehen die Hotelpreise als einen der wichtigsten Kostentreiber.

Besonders in Nordeuropa und im westlichen Mittelmeerraum seien die Preise für Hotels deutlich gestiegen. Als Gründe werden höhere Energie-, Personal- und Betriebskosten genannt. Gleichzeitig profitierten Schweizer Reisende vom starken Franken, der die Preisentwicklung teilweise abfedert.

Trotzdem bleibt das Reisen attraktiv. «Für uns Schweizer sind Ferien aufgrund des starken Frankens derzeit sehr interessant», sagt Waldvogel.


Jörg Waldvogel, Geschäftsführer von Chrisway Travel in St.Gallen, stellt fest, dass die Reiselust ungebrochen ist und insbesondere USA-Reisen derzeit von attraktiven Preisen profitieren.
Jörg Waldvogel, Geschäftsführer von Chrisway Travel in St.Gallen, stellt fest, dass die Reiselust ungebrochen ist und insbesondere USA-Reisen derzeit von attraktiven Preisen profitieren.

Früh buchen oder spontan entscheiden

Beim Buchungsverhalten zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. Während Chrisway Travel für den Sommer 2026 einen starken Frühbuchertrend beobachtet und insbesondere der Juli auf Rekordkurs liege, stellt DERTOUR fest, dass viele Reisende heute intensiver vergleichen und deshalb häufiger kurzfristig buchen.

Gemeinsam ist beiden Beobachtungen jedoch eines: Das Preis-Leistungs-Verhältnis steht stärker im Fokus als früher. Laut einer aktuellen Marktforschung von DERTOUR nennen rund zwei Drittel der Reisenden diesen Faktor als wichtigstes Entscheidungskriterium.


Sicherheit beeinflusst die Ferienwahl

Internationale Konflikte wirken sich zunehmend auf die Wahl der Destinationen aus. Besonders die Nachfrage nach Reisen in die USA, in den Nahen Osten und teilweise auch nach Asien habe zuletzt nachgelassen, berichtet Waldvogel.

Andere Regionen profitieren davon. Besonders gefragt sind derzeit Ferienziele im westlichen Mittelmeerraum. Kalabrien, Andalusien, Sizilien, Venetien und Menorca verzeichnen laut DERTOUR eine deutlich höhere Nachfrage als noch vor einem Jahr.

Gleichzeitig erlebt der Balkan einen Aufschwung. Montenegro, Albanien, Bulgarien und Kroatien punkten mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis, authentischen Erlebnissen und vergleichsweise wenig überlaufenen Ferienregionen.

Auch Afrika gewinnt an Bedeutung. Laut Waldvogel lassen sich viele Afrikareisende von höheren Preisen oder geopolitischen Entwicklungen kaum beeinflussen und halten an ihren Reiseplänen fest.


«Es gibt keine generelle Preissteigerung für Flugtickets. Die Entwicklung hängt stark von der Destination ab.» – Jörg Waldvogel, Chrisway Travel

Coolcations und Slow Travel im Trend

Neben klassischen Badeferien zeichnen sich neue Reisetrends ab. Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer suchen im Sommer kühlere Reiseziele auf. Länder wie Island, Norwegen, Schweden oder Schottland profitieren von diesem sogenannten «Coolcation»-Trend. Auch Kanada gewinnt an Beliebtheit.

Zudem wächst das Interesse an entschleunigten Ferienformen. Dazu gehören beispielsweise längere Zugreisen oder Städtereisen mit der Bahn nach Wien, Paris oder Rom.


Reisebüros setzen auf Beratung

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten sehen Reisebüros ihre Stärke vor allem in der persönlichen Beratung. Während Standardferien oft direkt online gebucht werden, suchen Kundinnen und Kunden bei komplexeren Reisen zunehmend professionelle Unterstützung.

«Die Kunden schätzen unsere Kompetenz», sagt Waldvogel. Zimmerli ergänzt, dass Reiseveranstalter bei kurzfristigen Veränderungen vor Ort aktiv unterstützen und alternative Lösungen organisieren können.


Reiselust bleibt auf hohem Niveau

Trotz Krisen, Konflikten und steigenden Hotelpreisen bleibt die Reiselust in der Schweiz hoch. Laut einer Umfrage von DERTOUR planen Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 2026 durchschnittlich 2,2 Auslandsreisen pro Person – mehr als im Vorjahr.

Für Familien, die ihre Ferien noch nicht gebucht haben, lautet die Empfehlung der Reiseprofis denn auch: attraktive Angebote nicht zu lange liegen lassen. Besonders bei beliebten Destinationen könnten die Preise kurzfristig noch anziehen.

 


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