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«Schönredner hat es schon genug»

  • Autorenbild: Marcel Baumgartner
    Marcel Baumgartner
  • 20. Nov. 2024
  • 4 Min. Lesezeit
Seit Dezember 2023 vertritt SVP-Politiker Pascal Schmid den Kanton Thurgau im Nationalrat. Schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt wurde er als neuer SVP-Asylchef schlagartig auch national bekannt. Im Gespräch mit einem Mann, der auch künftig in der Partei noch eine entscheidende Rolle spielen dürfte.

Pascal Schmid vertritt seit Dezember 2023 den Kanton Thurgau im Nationalrat und prägt als SVP-Asylchef die aktuelle Migrationsdebatte entscheidend mit.
Pascal Schmid vertritt seit Dezember 2023 den Kanton Thurgau im Nationalrat und prägt als SVP-Asylchef die aktuelle Migrationsdebatte entscheidend mit.

Pascal Schmid, wie rechts sind Sie politisch?

Ich stehe klar rechts: bürgerlich-konservativ und wirtschaftlich liberal. Im Übrigen verweise ich auf die Abstimmungsauswertungen im Nationalrat, die meine Haltung transparent machen.


Man hat Ihnen nach nur rund zwölf Monaten im Amt als Nationalrat bereits das Etikett «scharfer Hund» angehängt. Mühsam oder doch eher eine Auszeichnung?

Das mit dem scharfen Hund habe ich bisher nicht gehört, Hardliner aber schon. Damit habe ich kein Problem. Es braucht mehr Klartext in der Politik, Schönredner hat es schon genug.


Sie wollten sich offenbar nicht zuerst einleben, anpassen und dann einmal schauen, was sich so ergibt …

Doch, doch, die ersten drei Monate habe ich mich sehr zurückgehalten, bin nie ans Rednerpult getreten. Man muss zuerst ankommen und die Leute sowie den Betrieb kennenlernen. Auf mich hat in Bern niemand gewartet, und es hilft, wenn man sich dessen bewusst ist. Aber fürs Zuschauen wurde ich nicht gewählt, daher bringe ich mich jetzt ein, wo ich kann.


Die SVP hat Sie relativ rasch zum Asylchef erkoren. Haben Sie um den Job gekämpft?

Ich wurde dafür im Parteileitungsausschuss vorgeschlagen. Ich hätte die Aufgabe nicht übernommen, wenn der Entscheid nicht einstimmig ausgefallen wäre.


In der Schweizer Asylpolitik gibt es einiges zu tun. Wir geben Unmengen Geld an die falschen Stellen aus. Wo liegt das Hauptproblem?

Die Schweizer Asylpolitik verkommt immer mehr zu einer Asylpolitik gegen die eigene Bevölkerung. Es kommen viel zu viele, weil die Schweiz für Asylmigranten zu attraktiv ist. Die grosse Mehrheit davon sind keine Flüchtlinge. Immer mehr kommen aus fernen und kulturfremden Ländern. Wir haben die Kontrolle verloren und setzen unsere Regeln nicht mehr durch. Gleichzeitig laufen die Kosten und die Asylkriminalität aus dem Ruder. Unsere Bevölkerung zahlt einen hohen Preis für das von Mitte-Links verursachte Asylchaos.


Die SVP bespielt das Thema schon seit Jahren. Wieso bewegt sich nichts?

Weil FDP und Mitte mit Links-Grün gestimmt haben. Ich hoffe, dass sich das nun endlich ändert, es ist höchste Zeit! Schauen wir nach Mannheim und Solingen, es ist eine Minute vor zwölf. Die Sicherheit unserer Bevölkerung steht auf dem Spiel. Wenn das Umdenken bei der FDP früher eingesetzt hätte, hätte die Negativspirale längst gestoppt werden können.


Wo konkret möchten Sie etwas bewegen?

Wir müssen wieder unterscheiden zwischen Flüchtlingen und Nicht-Flüchtlingen. Wer abgewiesen wird, muss die Schweiz verlassen. Das müssen wir künftig viel konsequenter durchsetzen. Gleiches gilt für Kriminelle, Nicht-Integrierbare und Illegale – sie alle haben in der Schweiz nichts verloren.


Im Asylbereich zählen die Zahlen. Woran darf man Sie messen?

Daran, dass ich das, was ich im Wahlkampf versprochen habe, tatsächlich anpacke und umzusetzen versuche. Ob ich politische Mehrheiten finde, steht auf einem anderen Blatt und hängt letztlich von der FDP und der Mitte ab. Aber ich werde getreu meinem Wahlkampfmotto «dranbleiben» …


Was gab den Ausschlag, dass Sie so rasch eine so wichtige Position innerhalb der Partei – und auch im Nationalrat – einnehmen konnten?

Das müssen Sie andere fragen. Ich bin dankbar für das grosse Vertrauen, das man mir entgegengebracht hat. Mein Rucksack mit einem Mix aus richterlicher, anwaltlicher und politischer Erfahrung hat sicher geholfen.

Wo in Ihrem Leben gehen Sie es langsamer an?In der Freizeit, auch wenn diese etwas rar geworden ist. Ich reise gern, treibe regelmässig Sport, quäle mich damit aber nicht ab und unternehme gern etwas mit meiner Frau oder guten Freunden. Man soll das Leben zwischendurch auch etwas geniessen.


Löste die Wahl in den Nationalrat eine Art Adrenalinschub aus?

Am Wahltag sicher, es war ohne die Listenverbindung mit der EDU ja ausserordentlich knapp mit dem dritten SVP-Sitz im Thurgau. Meine Frau war allerdings noch nervöser als ich … Aber viel Zeit zum Feiern blieb dann nicht, nach nur sechs Wochen begann bereits die erste Session.


Die Partei wurde geprägt von Personen wie Blocher, Maurer, Amstutz. Wie stark ist deren Einfluss noch heute spürbar?

Das sind keine Schatten, das sind drei herausragende und prägende Persönlichkeiten, die sehr viel für unsere Partei und vor allem für die Schweiz geleistet haben.


Hat sich Ihr Bild von der Partei seit dem Eintritt in den Nationalrat verändert?

Wenn ich sehe, wie stark der Einfluss von Links-Grün in Bern ist, dann braucht es die SVP noch viel mehr, als ich dachte. Schauen wir nach Deutschland, was die linksgrüne «Ampel» dort alles verkorkst hat. Im Thurgau sind die politischen Verhältnisse zum Glück wesentlich bürgerlicher geprägt als auf nationaler Ebene.


Das Jahr 2024 haben wir schon bald hinter uns. Was sind Ihre Ziele für das nächste Jahr?

Dranbleiben bei allem, was ich tue. Und schauen, dass unser Privatleben nicht immer zuhinterst kommt – das war im ersten Jahr oft nicht ganz einfach wegen der vielen zusätzlichen Verpflichtungen und der Vereinbarkeit mit meiner beruflichen Tätigkeit als selbstständiger Anwalt.


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