HOCH-Mediensprecher Philipp Lutz: «Ohne ausländische Fachkräfte geht es nicht»
Aktualisiert: vor 5 Tagen
HOCH Health Ostschweiz beschäftigt Hunderte Mitarbeitende aus dem Ausland. Philipp Lutz, Leiter Medienstelle, erklärt, weshalb internationale Fachkräfte für die Gesundheitsversorgung unverzichtbar sind, wo der Fachkräftemangel besonders spürbar ist und welche Herausforderungen die Rekrutierung mit sich bringt.

Philipp Lutz, wie wichtig sind internationale Fachkräfte heute für den Spitalbetrieb von HOCH Health Ostschweiz?
Internationale Fachkräfte sind für uns von grosser Bedeutung. Mitarbeitende mit ausländischer Nationalität sowie Grenzgängerinnen und Grenzgänger leisten insbesondere in der Pflege und bei den Ärztinnen und Ärzten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Ohne sie wäre der Betrieb in vielen Bereichen kaum aufrechtzuerhalten.
In welchen Berufsgruppen spüren Sie den Fachkräftemangel derzeit am stärksten?
Der Fachkräftemangel ist im Gesundheitswesen seit Jahren eine grosse Herausforderung. Besonders schwierig gestaltet sich die Rekrutierung von gut ausgebildetem Pflegefachpersonal sowie von Ärztinnen und Ärzten. Das betrifft insbesondere die Intensivmedizin, die Notfallstationen, den Operationsbereich sowie spezialisierte Fachgebiete wie die Onkologie. Stark gesucht sind zudem Medizinisch-technische Radiologiefachpersonen, Fachpersonen Operationstechnik und Fachkräfte im Laborbereich.
Welche Rolle spielen Grenzgängerinnen und Grenzgänger für Ihr Unternehmen?
Die Lage der Ostschweiz im deutschsprachigen Dreiländereck Schweiz, Deutschland und Österreich ist für uns ein Vorteil. An unseren Spitalstandorten beschäftigen wir rund 350 Grenzgängerinnen und Grenzgänger. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels tragen sie wesentlich dazu bei, die medizinische Versorgung sicherzustellen.
«Ohne internationale Fachkräfte wäre der Betrieb in vielen Bereichen kaum aufrechtzuerhalten.»
Welche Herausforderungen bringt die internationale Rekrutierung mit sich?
Eine zentrale Herausforderung sind die formalen Anerkennungsverfahren. Dazu gehören etwa die Anerkennung von Diplomen durch die MEBEKO oder das Schweizerische Rote Kreuz sowie die Berufsausübungsbewilligungen. Diese Verfahren sind wichtig, die teilweise langen Bearbeitungszeiten können jedoch Rekrutierungsprozesse verzögern und die Planung erschweren.
Wie gelingt es HOCH Health Ostschweiz, Mitarbeitende langfristig zu halten?
Wir bieten an allen Standorten ein spannendes und vielseitiges Arbeitsumfeld mit attraktiven Entwicklungsmöglichkeiten und einem breiten Weiterbildungsangebot. Viele Mitarbeitende schätzen die Vielfalt der Tätigkeiten sowie die interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit. Ebenso wichtig sind eine verlässliche Dienstplanung, zeitgemässe Arbeitsmodelle und die Wertschätzung im Berufsalltag.
Wie wird sich die Personalsituation im Gesundheitswesen in den nächsten zehn Jahren entwickeln?
Eine genaue Prognose ist schwierig. Klar ist jedoch, dass der Bedarf an qualifizierten Fachkräften hoch bleiben wird. Aufgrund der demografischen Entwicklung und der steigenden Nachfrage nach medizinischen Leistungen dürfte sich der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen weiter verschärfen.
Gesundheitswesen bleibt auf Fachkräfte aus dem EU-Raum angewiesen
Die Spitäler, Pflegeheime und Betreuungseinrichtungen im Kanton St.Gallen sind weiterhin stark auf Fachkräfte aus dem EU-Raum angewiesen. Das zeigt die Antwort der St.Galler Regierung auf die Interpellation «Abhängigkeit der Spitäler und Betreuungseinrichtungen im Kanton St.Gallen von Fachkräften aus dem EU-Raum», die in der Junisession des Kantonsrates behandelt wird.
Die Regierung hält fest, dass der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen eine der grössten Herausforderungen der kommenden Jahre bleibt. Besonders in der Pflege, aber auch in weiteren Gesundheitsberufen, leisten Mitarbeitende aus EU-Staaten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Die verfügbaren Statistiken erfassen dabei die Nationalität der Beschäftigten, nicht jedoch, ob diese als Grenzgängerinnen oder Grenzgänger tätig sind.
Gleichzeitig verweist die Regierung auf die Umsetzung der Pflegeinitiative. Der Kanton investiert verstärkt in die Ausbildung von Pflegefachpersonen und schafft zusätzliche Ausbildungsplätze, um die Abhängigkeit vom Ausland langfristig zu reduzieren. Dennoch dürfte die Rekrutierung von Fachkräften aus dem EU-Raum auch künftig eine wichtige Rolle spielen. Einschränkungen der Personenfreizügigkeit oder zusätzliche administrative Hürden würden die Personalgewinnung erschweren und könnten die Gesundheitsversorgung unter Druck setzen. Die Diskussion erhält vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des steigenden Pflegebedarfs zusätzliche Brisanz.


