Der Wunsch nach mehr Zeit
- Marcel Baumgartner
- 15. Nov. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Seit 2021 ist Maria Pappa Stadtpräsidentin von St.Gallen. 2024 wurde die 53-Jährige deutlich wiedergewählt. Hat die SP-Politikerin demnach in der Vergangenheit alles richtig gemacht? Und wo sieht sie den grössten Handlungsbedarf?

Maria Pappa, SRF titelte im August dieses Jahres «Vom Nobody zur ersten Stadtpräsidentin». Eine eher geschmacklose Überschrift?
Diese Überschrift ist mir gar nicht aufgefallen. Bevor ich Stadtpräsidentin wurde, war ich schon als Stadträtin vier Jahre aktiv in der Direktion Planung und Bau, vier Jahre zuvor im Stadtparlament und seit einem Jahr als Kantonsrätin engagiert. Gewisse politische Erfahrung brachte ich somit schon mit. Doch acht Jahre vorher war mir die Politik tatsächlich komplett fremd.
Sie wurden 2024 mit einem Glanzresultat wiedergewählt. Haben Sie demnach in den letzten Jahren alles richtig gemacht?
Das wäre vermessen, aber ich werde wohl nicht allzu viel falsch gemacht haben … Fehler bleiben ja gerne in Erinnerung. 70 % aller Stimmen zu erhalten, ist natürlich ein erfreuliches Resultat.
Wo kann, ja muss die Stadt St.Gallen noch deutlich besser werden?
Die Stadt St. Gallen hat vieles zu bieten. Sie hat eine geschichtsträchtige, schöne Altstadt, vielfältige Quartiere und Naherholungsgebiete, die von überall in der Stadt innert 15 Minuten zu erreichen sind. Sie weist eine hohe Lebensqualität, mit einer Vielfalt an feinen Gastronomien und unterschiedlichen Sport- und Kulturangeboten aus. Als Hauptstadt und grösste Stadt der Ostschweiz hat sie auch eine überdurchschnittlich grosse Bedeutung als regionales Arbeitsmarktzentrum. Natürlich kann und muss sich auch die Stadt weiterentwickeln, weiterhin attraktiven Wohnraum und gute Lebensbedingungen anbieten. In der Vision der Stadt sind deshalb neun Handlungsfelder definiert. Jährlich werden neue Massnahmen definiert, um die Stadt Schritt für Schritt in diesen neun Handlungsfeldern weiterzubringen.
Was geht Ihnen an Ihrem Amt am meisten auf die Nerven? Manchmal würde ich mir einfach wünschen, dass ich doppelt so viel Zeit zur Verfügung hätte. Dann könnte ich viel mehr Dinge erledigen und mich zum Beispiel in viele spannende Themen noch mehr vertiefen.
Wie lange bleiben Sie St.Gallen verbunden?
Ich bin hier geboren und werde wohl auch hier in St. Gallen alt werden. Tätigkeiten habe ich tatsächlich schon verschiedene gemacht. Aktuell fühle ich mich in meiner Aufgabe wohl und habe nicht vor, etwas zu wechseln. Langfristig kann ich es bisher nicht sagen. Mal schauen, was mir das Leben noch schenken wird.
Was würde Ihnen am meisten Befriedigung verschaffen? Was möchten Sie als Maria Pappa für die Stadt St.Gallen bewirken bzw. ihr hinterlassen?
Eine Stadt wird nicht von einzelnen Menschen weitergebracht, sondern ist ein Gemeinschaftswerk. Deshalb ist mir als Erstes wichtig, dass Vertrauen in städtische Dienstleistungen und Prozesse vorhanden ist. Dass sich die Bevölkerung in der Stadt wohlfühlt, sich hier einbringen und entfalten kann, dass Vielfalt und Partizipation gelebt und Herausforderungen für Mensch und Umwelt gemeinsam gemeistert werden. Ich werde mit meiner Grundhaltung und meinem kooperativen Führungsstil meinen Beitrag dazu leisten.


