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«Comedy darf unangenehm sein»

  • Autorenbild: Marcel Baumgartner
    Marcel Baumgartner
  • 13. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Mit ihrer Mischung aus Selbstironie, kulturellen Beobachtungen und ehrlichen Geschichten aus dem Alltag hat sich Reena Krishnaraja innert kurzer Zeit einen Namen in der Schweizer Comedy-Szene gemacht. Die junge Ausserrhoderin mit tamilischen Wurzeln spricht im Interview über peinliche Bühnenmomente, die Grenzen des Humors und ihren Wunsch, mit Comedy mehr zu bewirken als nur Unterhaltung.


Die Ausserrhoder Stand-up-Comedienne Reena Krishnaraja begeistert mit ehrlichen Geschichten über das Leben zwischen zwei Kulturen, Selbstironie und viel Bühnenpräsenz.
Die Ausserrhoder Stand-up-Comedienne Reena Krishnaraja begeistert mit ehrlichen Geschichten über das Leben zwischen zwei Kulturen, Selbstironie und viel Bühnenpräsenz.

Reena Krishnaraja, wann haben Sie gemerkt: «Ich bin lustig – und ich will damit auf die Bühne»?

Ich habe zuerst gemerkt, dass ich auf die Bühne will – oder einfach sonst irgendwo in den Mittelpunkt. Erst durch die Reaktionen meiner Freunde und Familie habe ich realisiert, dass ich offenbar auch lustig bin. Wenn andere lachen, merkt man das ja irgendwann.Ich habe dann als kreative Maturaarbeit eine Stand-up-Comedyshow gemacht und qualitative Interviews mit Schweizer Stand-uppern geführt. Einer davon war Fabio Landert. Er kam meine Show anschauen und hat mir – wie viele andere auch – viel Zuspruch gegeben. Er meinte, ich hätte Potenzial. Das hat mich motiviert, auf offene Bühnen zu gehen. Danach bin ich irgendwie einfach so in das Ganze hineingerutscht.


Ihr Humor bewegt sich oft zwischen Kulturen. Wie viel davon ist bewusst gesetzt – wie viel einfach gelebter Alltag?

Mein Humor und das, was ich auf der Bühne erzähle, sind eigentlich einfach ich selbst. Ich spiele keine Rollen und arbeite nicht mit Requisiten. Ich erzähle Geschichten aus meinem Alltag oder meine Sicht auf bestimmte Dinge.Ein wichtiger Teil von mir ist natürlich, dass ich mit zwei Kulturen aufgewachsen bin. Deshalb schwingt das automatisch immer mit. Manchmal spreche ich gezielt darüber, manchmal fast gar nicht.


Was war Ihr bisher unangenehmster Moment auf der Bühne?

Solche Momente gibt es immer wieder. (lacht) Ich glaube, ein unangenehmer Moment zeichnet sich gerade dadurch aus, dass man ihn eben nicht retten kann. Sonst wäre es ja perfektes Comedy-Material.Einmal habe ich versucht, mit einer Person im Publikum zu sprechen. Die Person reagierte überhaupt nicht auf meine Fragen und ich war total verwirrt – bis ich irgendwann merkte, dass sie blind ist. Ich habe mich damals entschieden, das auf der Bühne nicht anzusprechen und einfach weiterzumachen. Das war schon eine Weile etwas awkward. Heute könnte ich die Situation wahrscheinlich besser retten.


Die Ausserrhoderin mit tamilischen Wurzeln gewann 2022 den «SRF 3 Best Talent Comedy Award» und zählt heute zu den spannendsten Nachwuchstalenten der Schweizer Comedy-Szene.
Die Ausserrhoderin mit tamilischen Wurzeln gewann 2022 den «SRF 3 Best Talent Comedy Award» und zählt heute zu den spannendsten Nachwuchstalenten der Schweizer Comedy-Szene.

Sie sprechen Themen an, die andere eher meiden. Wo ziehen Sie persönlich die Grenze des Humors?

Mir ist wichtig, dass ich niemanden ernsthaft verletze mit dem, was ich auf der Bühne sage. Klar darf Comedy manchmal unangenehm werden oder auch unter die Gürtellinie gehen. Aber für viele Menschen ist Comedy auch etwas, das Trost oder ein gutes Gefühl vermittelt.Ich möchte, dass die Leute grundsätzlich mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.


Wie reagieren Menschen aus Ihrem Umfeld, wenn sie sich plötzlich in Ihren Pointen wiederfinden?

Meistens warne ich sie vorher vor. (lacht) Aber die Reaktionen sind eigentlich fast immer positiv. Viele finden es cool, dass sie nebst mir wissen, wie die Geschichte wirklich passiert ist – weil sie selber dabei waren.


Gibt es Themen, über die Sie heute anders Witze machen als noch vor ein paar Jahren?

Ich denke heute bei gewissen heiklen Themen sicher bewusster über einen Joke nach. Oder ich bespreche ihn vorher mit jemandem und hole eine zweite Meinung ein. Aber ein konkretes Thema, bei dem ich meine Haltung komplett geändert hätte, gibt es eigentlich nicht.


Bekannt wurde Reena Krishnaraja mit ehrlichen und selbstironischen Geschichten über das Leben zwischen zwei Kulturen, das Erwachsenwerden und ihren Alltag in der Ostschweiz.
Bekannt wurde Reena Krishnaraja mit ehrlichen und selbstironischen Geschichten über das Leben zwischen zwei Kulturen, das Erwachsenwerden und ihren Alltag in der Ostschweiz.

Wie viel Vorbereitung steckt hinter einem scheinbar spontanen Auftritt?

Das variiert extrem. Ich bin auch schon komplett unvorbereitet auf die Bühne gegangen. Gleichzeitig habe ich aber auch schon einen ganzen Tag in einen zehnminütigen Auftritt investiert.Grundsätzlich steckt hinter jedem Auftritt jahrelange Arbeit. Man trainiert sich über Jahre hinweg Bühnenpräsenz, Selbstbewusstsein, Spontanität und ein Repertoire an.


Haben Sie ein Vorbild in der Comedy?

Mein absolut grösstes Vorbild ist Trevor Noah. Ich finde ihn als Comedian fantastisch – aber vor allem auch als Mensch. Seine Comedy basiert stark auf Sympathie und Authentizität. Genau auf diese zwei Dinge versuche auch ich zu bauen.Ich finde zudem, dass er unglaublich gute Werte und Ansichten hat.


Wenn Sie Ihr aktuelles Programm in einem Satz zusammenfassen müssten – worum geht es wirklich?

Um Appenzell Ausserrhoden, Tamilen, den Start meiner Comedykarriere, das Jungsein – also eigentlich einfach um mich.


Neben der Comedy studiert Reena Krishnaraja Sozialwissenschaften in Bern. Mit ihrem ersten Soloprogramm «Kurkuma» tourt sie derzeit durch die Deutschschweiz.
Neben der Comedy studiert Reena Krishnaraja Sozialwissenschaften in Bern. Mit ihrem ersten Soloprogramm «Kurkuma» tourt sie derzeit durch die Deutschschweiz.


Welche Rolle spielen Social Media für Ihre Karriere – Bühne oder notwendiges Übel?

Mal so, mal so. Natürlich ist die Reichweite spannend, die man über Social Media erreichen kann. Aber ich stehe trotzdem lieber auf der Bühne. Dort sehe ich direkt die Reaktionen der Menschen und kann darauf reagieren.Bei Social Media ist das anders. Man postet ein Video und dann ist es einfach draussen. Das ist manchmal schon etwas scary, weil man keine Kontrolle mehr darüber hat.


Was möchten Sie mit Ihrem Humor langfristig bewirken?

Ich finde, man sollte einen Ort immer besser hinterlassen, als man ihn vorgefunden hat. Das versuche ich auch auf mein Leben anzuwenden.Ich wollte schon immer Menschen helfen. Momentan mache ich das mit Comedy. Irgendwann – wenn Reichweite und Möglichkeiten noch grösser werden – gibt es viele Menschen auf der Welt, die Unterstützung brauchen. Besonders Kinder und Bildung liegen mir sehr am Herzen.

 

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