6700 Einsätze pro Jahr: Das sind die häufigsten Autopannen im Rheintal
Jährlich leisten die Pannendienste im Rheintal tausende Einsätze. Während früher vor allem mechanische Defekte zu liegengebliebenen Fahrzeugen führten, dominieren heute Batterieprobleme, Elektronik und Softwarefehler. Der Touring Club Schweiz (TCS) und der Automobil Club der Schweiz (ACS) beobachten einen deutlichen Wandel – und zeigen auf, weshalb viele Pannen mit einfachen Kontrollen vermeidbar wären.

Es ist einer jener Einsätze, bei denen jede Minute zählt. Ein Kind sitzt bei hochsommerlichen Temperaturen versehentlich im verschlossenen Auto. Der Autoschlüssel liegt auf dem Fahrersitz, die Eltern stehen hilflos daneben. Wenig später trifft der Patrouilleur des Touring Club Schweiz (TCS) ein, öffnet das Fahrzeug fachgerecht – und die Erleichterung ist allen Beteiligten anzusehen.
«Wenn wir die Autotür öffnen und das Kind oder den Hund wohlbehalten den überglücklichen Besitzern übergeben können, sind das genau die Momente, die unseren Beruf so erfüllend machen», sagt Shane Lang, Bereichsleiter Ostschweiz beim TCS. Solche Einsätze gehören zwar nicht zum Alltag, bleiben den Pannenhelfern aber besonders in Erinnerung. Viel häufiger rücken sie wegen technischer Probleme aus – und davon gibt es jedes Jahr tausende.
6700 Einsätze entlang der A13
Allein der TCS leistet im Einsatzgebiet entlang der A13 zwischen Oberriet, Walenstadt und Bonaduz jährlich rund 6700 Pannen- und Unfalleinsätze. Das Einsatzvolumen ist in den vergangenen Jahren weitgehend konstant geblieben. Rund die Hälfte aller Einsätze entfällt auf das Rheintal, wobei insbesondere die Räume Buchs und Vaduz zu den Hotspots zählen. Dort sorgen die hohe Bevölkerungsdichte und der intensive Pendlerverkehr für besonders viele Einsätze.
Auch der ACS beobachtet im Rheintal eine stabile bis leicht steigende Nachfrage. Saisonale Spitzen während der Ferien oder bei extremen Wetterlagen gehörten ebenso zum Einsatzalltag wie neue Herausforderungen durch moderne Fahrzeugtechnologien, erklärt Pamela Spinelli, Verantwortliche Sales & Marketing beim Automobil Club der Schweiz.

Batterie und Reifen bleiben Spitzenreiter
Wer vermutet, dass spektakuläre Motorschäden die häufigsten Pannen verursachen, liegt daneben. Sowohl beim TCS als auch beim ACS führen nach wie vor Batterieprobleme, Reifenschäden sowie Defekte an der Fahrzeugelektronik die Statistik an.
«Viele Fahrzeuge verfügen heute nicht einmal mehr über ein Reserverad», erklärt Shane Lang. In vielen Fällen können die Patrouilleure direkt vor Ort helfen und die Weiterfahrt ermöglichen. Auch Pamela Spinelli bestätigt dieses Bild: Schweizweit gehörten Batterieausfälle, Reifenschäden, Probleme mit Fahrzeugschlüsseln sowie Defekte an der Steuerungs- und Fahrzeugelektronik weiterhin zu den häufigsten Gründen für einen Hilferuf.
Vom Schraubenschlüssel zum Laptop
Der Beruf des Pannenhelfers hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren grundlegend verändert. Während früher gerissene Keilriemen, kaputte Kupplungen oder durchgerostete Auspuffanlagen den Alltag bestimmten, dominieren heute elektronische Fehler. «Moderne Autos sind rollende Computer», sagt Shane Lang. Mechanisch seien die Fahrzeuge heute ausgesprochen robust. Gleichzeitig führten Softwarefehler, streikende Sensoren oder Probleme in der Fahrzeugelektronik immer häufiger zu Panneneinsätzen. Auch beim ACS beobachtet man diesen Wandel. «Fahrzeuge sind insgesamt komplexer geworden. Das erhöht zwar ihre Zuverlässigkeit, bringt aber gleichzeitig neue Fehlerquellen mit sich – insbesondere im Zusammenspiel von Software und Sensorik», sagt Pamela Spinelli.
Neue Anforderungen durch Elektroautos
Mit dem wachsenden Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen verändert sich auch der Arbeitsalltag der Pannenhelfer. Beide Organisationen investieren deshalb laufend in die Ausbildung ihrer Mitarbeitenden und in spezielle Schutzausrüstung für Hochvoltsysteme. Besonders anspruchsvoll ist das Abschleppen vieler Elektrofahrzeuge. Diese dürfen häufig nicht klassisch gezogen werden, sondern müssen vollständig verladen werden.
Überraschend ist jedoch: Auch Elektroautos bleiben oft wegen einer leeren Batterie stehen. Nicht die grosse Antriebsbatterie verursacht die Probleme, sondern die herkömmliche 12-Volt-Batterie, welche weiterhin die Bordelektronik versorgt. Gleichzeitig gewinnen laut Pamela Spinelli neue Themen wie Ladeprobleme oder das Reichweitenmanagement zunehmend an Bedeutung.
Einsätze mit hohem Risiko
Besonders gefährlich sind Einsätze auf Autobahnen und stark befahrenen Strassen. Die Patrouilleure arbeiten oft unmittelbar neben dem fliessenden Verkehr. Hinzu kommt der zunehmende Verkehr auf der A13. Gerade an Ferienwochenenden führen Staus regelmässig zu längeren Anfahrtszeiten. Für die Betroffenen bedeutet dies oftmals eine längere Wartezeit am Pannenort. Auch der ACS weist auf die Risiken hin. Einsätze im fliessenden Verkehr seien wegen des Zeitdrucks, der engen Platzverhältnisse und vorbeifahrender Fahrzeuge besonders anspruchsvoll. Entsprechend investiere der Club laufend in Sicherheitskonzepte, Schulungen und eine möglichst hohe Sichtbarkeit der Einsatzfahrzeuge.
Viele Pannen wären vermeidbar
Ob Sommerferien oder Wintereinbruch – viele Einsätze liessen sich laut den Experten verhindern. Wer Warnleuchten ignoriere, den Batteriezustand nicht überprüfe oder fällige Serviceintervalle hinausschiebe, riskiere unnötige Ausfälle. Vor längeren Fahrten empfehlen TCS und ACS deshalb einen kurzen Fahrzeugcheck mit Kontrolle von Batterie, Reifendruck, Ölstand sowie Kühl- und Scheibenwaschflüssigkeit. «Viele Pannen liessen sich bereits durch regelmässige Kontrollen und eine gute Vorbereitung vermeiden», betont Pamela Spinelli. Mit wenigen Minuten Vorbereitung lasse sich verhindern, dass die Ferien bereits auf dem Pannenstreifen beginnen.


